Friedfertige Utopie

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Die Landschaftserschließung „Friedfertige Utopie“ wird meine erste politisch motivierte Werkreihe sein. Ich habe das im russischen Nordkaukasus liegende „Terbeda Natural Reserve“ und seine bis weit nach Georgien hinein reichende Umgebung in einer dazu eigens digital erschaffenen Karte infrastrukturell erschlossen. Als Grundlage dienten mir dazu Luftbilder und russische Militärkarten.

Der Große Kaukasus hat mich schon seit langer Zeit fasziniert. Ein wildes Gebirge am äußersten Rand Europas, von dem in den Nachrichten allerdings immer wieder mal von Anschlägen, Konflikten und Kriegen (z.B. Tschetschenien) berichtet wurde. Als ich dann vor einigen Jahren in einem Online-Antiquariat auf das Buch „In the mountains of Karachai-Circassia – Terbeda and Dombai“ von 1979 stieß, war ich von den Fotos dieser traumhaften Gebirgslandschaft endgültig gefangen. Die spektakulären Bergmassive erinnern an bekannte zentralalpine Motive, allerdings zeigen die Menschen und Täler in dem Bildband noch eine derartige Authentizität und Ursprünglichkeit, die man im Alpenbogen heute nicht mehr findet.  Dort würde ich gerne mal hin…

Der Kaukasus wird aber trotz seines enormen landschaftlichen und damit auch touristischen Potentials nur wenig bereist, da er eine bis heute sehr konfliktreiche Geschichte aufweist – typisch für viele Gebirge der Welt. Im Kaukasus treten die Spannungen verstärkt auf, da im Kaukasus zahlreiche Ethnien und Religionen zusammenkommen und die gesamte Region wirtschaftlich sehr schwach ist. So war das dargestellte Kartenbiet u.a. vom Kaukasuskrieg, von Deportationen nach deutscher Besatzung während des 2.Weltkrieges, vom Krieg zwischen Abchasien und Georgien, der ethnische Säuberungen zufolge hatte, betroffen und liegt im von ehemaligen Tschetschenien proklamierten Kaukasus-Emirat. Da Gewalt immer auch sozioökonomische Gründe hat, startete die russische Regierung 2011 einen touristischen Entwicklungsplan, in dem ähnlich wie zu den olympischen Spielen 2014 in Sotchi fünf große Skigebiete im Kaukasus errichtet werden sollen. Die Errichtung und der Betrieb dieser Gebiete soll der ansässigen Bevölkerung wirtschaftlichen Auftrieb geben und so helfen, den Kaukasus zu befrieden.

Von dieser Strategie inspiriert, begann ich eine Karte-Luftbild-Kombination der Gegend um Dombai zu zeichnen und ihr eine grenzüberschreitende infrastrukturelle und touristische Erschließung zu geben, die ein friedliches und wirtschaftlich erfolgreiches Zusammenleben zwischen Abchasen und Tscherkessen ermöglichen würde. Als symbolisches touristisches Highlight habe ich die Russland und Georgien verbindende „Route Of Peace“ angelegt, die als Hüttenwanderung die zentralen Bergmassive um Dombai-Ulgen und Belakaja in etwa 10 Tagesetappen umrundet. Diese Runde würde ich gerne einmal gehen…

Ausgehend von der Karte möchte ich ein Sommer- und zwei Winterpanoramen gestalten, sowie einige Ansichten von der „Route Of Peace“. Der Entwurf für das Sommerpanorama ist bereits auf meiner Startseite zu sehen (Februar 2020).

 

Benjamin Vogel